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Wer hackt die Bibliotheken und ihre Kataloge?

Mein Name ist Anne Christensen, mein Heimathafen ist Hamburg und mein Arbeitsplatz die dortige Staats- und Universitätsbibliothek. Beseelt von dem Glauben, dass der Katalog als Herzstück der bibliothekarischen Dienstleistungen eine gründliche Renovierung vertragen kann, habe ich 2007 das „Katalog 2.0“-Projekt beluga ins Leben gerufen und bin für die Entwicklung dieser Rechercheplattform verantwortlich. Daneben betreue ich neben der Website der Bibliothek auch ihre Auftritte in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter und beobachte gern, wie Bibliotheken und ihre Dienste dort wie auch im realen Raum benutzt und mitunter auch „gehackt“ werden: Bei der Gestaltung des „Lernortes Bibliothek“ seid ihr – die Benutzerinnen und Benutzer von Bibliotheken – jetzt schon durch aktiv und damit Bibliothekshacker der ersten Stunde. Ich schließe mich also (dem Nicht-Bibliothekar) Martin Fenner an und sage: Kommt und diskutiert mit uns darüber, warum ihr bei uns so oft Stühle verrücken müsst, um bedarfsweise gemeinsam oder in Ruhe zu lernen, warum ihr lieber bei Google sucht, ob ihr von uns mehr über Literaturverwaltung lernen wollt oder erwartet, E-Book-Reader bei uns zu testen oder auszuleihen.

Das BibCamp ist eine Art “Denkfabrik” für eine neue Generation von Bibliotheken und ihren Services und lebt von der Vielfalt – sowohl was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeht als auch die Themen. Stühle und Steckdosen, Literaturverwaltung und Linked Data:  Wer auch immer Ideen hat für die Gestaltung von diesen oder anderen Angeboten von Bibliotheken, ist als “Bibliothekshacker” willkommen.  Wer auch immer in Bibliotheken arbeitend sein Brot verdient oder dort studiert, lernt und recherchiert, wird auf dem BibCamp einen Ort finden, um sich über die Zukunft von Bibliotheken – real oder digital – auszutauschen. Das gemeinsame Ziel? Die Architektur von Bibliotheken als physische oder digitalen Räumen modernisieren, eine neue Balance finden zwischen dem gedruckten Buch und der Stille einerseits und den öffentlichen Literaturlisten und diskutierenden Lerngruppen andererseits.

Eines der Themen, die ich beim BibCamp einbringen möchte, entspringt direkt dem genannten beluga-Projekt: Mich beschäftigt die Frage, wie der Katalog eine Art “Beratungsfunktion” erfüllen kann. Bibliothekarinnen und Bibliothekare kennen die bisweilen verzweifelten Hilferufe nach “guten Einführungen” zum Thema XY. Benutzerinnen und Benutzer werden sich an Recherchen erinnern, bei denen sie sich gefragt haben, wie man aus der Fülle von gedrucken und elektronischen Büchern und Aufsätzen die relevantesten Publikationen auswählt. Ein paar erste Ideen für die Lösung dieser Probleme habe ich kürzlich im beluga-Blog dokumentiert. Es geht u.a. darum, wie man die wichtigsten Lehrbücher und Fachzeitschriften kenntlich macht, Auswahlbibliografien zu bestimmten Themen bereitstellt oder innovative Algorithmen für die Relevanz-Sortierung entwickelt. In diesem Sinne: Entern wir den Katalog!