Auch Bibliothekare brauchen moderne Hilfsmittel für ihre Arbeit

Ich bin Bernhard Tempel und arbeite seit Ende 2002 als Ausbildungsleiter und Fachreferent für Mathematik und Informatik bei der TIB/UB Hannover. Neben der Tätigkeit als Bibliothekar habe ich stets die Perspektive des Benutzers (nicht nicht nur der ‚eigenen‘ Bibliothek, und lieber als ‚Benutzer‘ denn als ‚Kunde‘) bewahrt und damit mal heitere, mal qualvolle Schizophrenie gepflegt. Bei Bibliothek 2.0 bin ich noch nicht angekommen, wenn es schon für Bibliothek 1.314159265359… reicht, wäre ich näherungsweise zufrieden.

Das BibCamp beschäftigt mich im Moment mehr von der organisatorischen Seite, und wenn’s dann so weit ist, interessiert mich ganz allgemein der Erfahrungsaustausch. Daneben treiben mich zur Zeit zwei kleinere Projekte zur Optimierung der eigenen (Fachreferats-)Arbeit um, deren allgemeine Priorität allerdings so gering ist, daß die Dienstzeit dafür nicht in Betracht kommt.

Das eine betrifft die Aufbereitung von Ausleihdaten als Instrument zur Identifizierung besonders stark oder besonders wenig genutzter Literatur. Dafür ist man leider auf Datenabzüge angewiesen, die trotz erwiesener Nützlichkeit schwer bis gar nicht zu bekommen sind. Das andere ist ein Hilfsmittel zur Erwerbungsunterstützung: Für beliebige html-Seiten, die bibliographische Informationen mit ISBN enthalten, wird automatisch die ISBN extrahiert, eine Anfrage an den Katalog geschickte und schließlich die Seite neu aufgebaut mit Informationen, welche Titel vorhanden sind und welche fehlen. Aktuell läuft das Tool als cgi-Skript, es hätte aber auch Vorteile, es als Greasemonkey-Skript (bzw. daraus generierte Firefox-Erweiterung) auch allein clientseitig zur Verfügung zu haben. Dann nämlich kann es einfach ’scharf‘ geschaltet werden und wird auf beliebige Seiten angewandt, während das cgi-Skript über Webformular stets explizit aufgerufen werden muß. Gerade für Seiten mit wenigen ISBNs lohnt sich dieser Aufwand nicht, trotzdem wäre es eine hübsche Zusatzinformation, wenn man beispielsweise einen Wikipedia-Artikel liest und ggf. gleich den Hinweis auf dort genannte, in der Bibliothek aber nicht vorhandene Literatur bekäme. Als Inspiration könnte der Citavi-Picker dienen, der jedoch nur eine beschränkte Anzahl von ISBNs auswertet und mit verschachtelten html-Elementen, insbesondere Tabellen, nicht fertig wird.

Die Arbeit an beiden Projekten ruht zur Zeit, und nach Verteidigung meiner Dissertation Mitte November hoffe ich die Zeit zu finden, sie wieder aufzunehmen. Beim BibCamp darf man sich gern nach dem dann aktuellen Stand erkundigen…

8 Gedanken zu “Auch Bibliothekare brauchen moderne Hilfsmittel für ihre Arbeit

  1. Danke für die doppelte Ermutigung! Versprechen kann ich auf jeden Fall, bis zum BibCamp³ mindestens den noch bestehenden Fehler im Algorithmus der serverbasierten Variante zu beheben (falsches Auszählen von ISBN10 und ISBN13) und eine Variante mit Abfrage des GVK zu implementieren.

  2. Wie wär’s, einfach das Tool LibX zu benutzen? http://libx.org/
    Es bietet genau das: auf jeder html Seite wird die ISBN erkannt und per Klick kann überprüft werden, ob sich der Titel im eigenen (oder auch in anderen, z.B. um Kodierungen zu übernehmen) Katalog zu finden ist.
    Ich selbst habe die Idee hier in Duisburg-Essen eingeführt, und finde daß es eine Riesenerleichterung ist. Bei Bedarf kann ich gerne mein selbstgestricktes Tutorial dazu schicken.
    P.S: netter Zusatz: vorhandene Excel bzw. Word-Bestellisten (z.B. aus dem Fachbereich) lassen sich auch als Webseite anzeigen!

  3. @alofro: Vielen Dank für den Hinweis. Die Möglichkeit mit LibX ist schon sehr viel hilfreicher als Conquery (https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/231) zum Zugriff auf die Firefox-Suchplugins – das war damals mein Ausgangspunkt für das A(cquisition)S(upport)S(ystem). Trotzdem wäre bei den Anwendungen, die mir vorschweben, der für jede ISBN noch nötige Klick zuviel. Aber wenn Algorithmus und Implementierung zur Erkennung und Manipulation der ISBNs von LibX besser als beim Citavi-Picker sein sollte, wäre LibX vielleicht der bessere Ausgangspunkt (zumal die Mozilla Public License, unter der LibX steht, die entsprechende Nutzung zulassen sollte).

  4. Wenn Sie die Funktion in Citavi umsetzen möchten, könnten Sie folgenden Weg gehen:

    1. Im Web: Gesamte Webseite in Zwischenablage kopieren.
    2. Weiter in Citavi: Menü Titel > ISBN-Liste auswerten > Text aus Zwischenablage wählen
    3. Als Katalog den TIB-Hannover auswählen und weitere Kataloge, die eine große Trefferzahl versprechen.
    4. Recherche durchführen lassen und Titel übernehmen.
    5. In der Tabellenansicht nach Standort sortieren und alle Titel, die nicht in Ihrer Bibliothek vorhanden sind, markieren und diesen z.B. die Aufgabe „Kaufen/Bestellen“ zuweisen (Menü Titel > Mehrfach zuweisen/entfernen > Aufgaben).
    Besten Gruß, Peter Meurer

  5. Versprechen sind manchmal dazu da, nicht gehalten zu werden, so leider auch das des zweiten Kommentars… Irgendwann nach dem BibCamp kümmere ich mich aber wieder drum. Für eine eigene Session ist das Thema wahrscheinlich zu technisch und zu speziell, aber es bleiben ja noch die Pausen.

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